Staatsanwälte küsst man nicht!

vom Rubrik: Einlassung, Sprache

Ich mag diesen amerikanischen Film sehr gern. Warum kommt er mir gerade hier in den Sinn?

Gericht-Foto

Als ich angefangen hatte mit Ende 20, vertrat ich einen Mandanten wegen fahrlässiger Tötung. Er war Polizist in der Ausbildung und sollte übernommen werden. Eines Tages fuhr er zur Arbeit und ein betrunkener Obdachloser lief ihm in sein Auto. Den Unfall hat jener nicht überlebt.

Wie es also kommen musste, liefen die Ermittlungen auf eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung hinaus. Ich hatte das erste Mal mit einem medizinischen Sachverständigen zu tun! In seinem Gutachten stand nun drin, dass der Tod desjenigen möglicherweise auch durch den alkoholbedingten Herzinfarkt eingetreten sein konnte.

Da stand ich nun vor einem Problem – fechte ich das vor Gericht aus oder versuche ich das Verfahren zu Ende zu bringen, damit mein Mandant so schnell wie möglich in den Polizeidienst übernommen werden kann.

Der Mandant sagt, was er will!

Man bespricht also die Situation mit all seinen Risiken und Kosten mit dem Mandanten. Neben dem Nervenstreß dauern solche Verfahren dann doch einige Monate und können erhebliche Auswirkungen auf das Berufsleben haben.

Beamte leben gefährlich!

Besonders Menschen im öffentlichen Dienst haben im Strafrecht meist mit beruflichen Konsequenzen zu rechnen. Deshalb ist hier es besonders wichtig, die nebenstrafrechtlichen Normen zu kennen und darauf zu achten. Dazu gab es mal folgende spannende Entscheidung!

In meinem Falle hatte sich der Mandant entschieden, den Versuch einer Einstellung mit einer Auflage zu unternehmen. Man findet dieses in § 153a StPO geregelt.

 

Ich schlug dieses dem Staatsanwalt schriftlich vor und begründete es mit der vagen Aussage des medizinischen Sachverständigen. Nunmehr rief mich der Staatsanwalt in meiner Kanzlei an und wir diskutierten bestimmt eine halbe Stunde, über die rechtliche Problematik und das Sachverständigengutachten.

Plötzlich war Totenstille!

Tja, und dann geschah etwas, womit man als junge Strafverteidigerin kaum rechnen würde!

Ich war so in meinen Redefluss und ja mittlerweile weiß ich aus verschiedensten Quellen, dass ich eine sehr angenehme Telefonstimme habe. Manche Menschen rufen mich auch nur deshalb an, weil sie meine Stimme am Telefon beruhigt. Also, ich redete und plötzlich knallt der Staatsanwalt raus: „Sie haben so eine erotische Stimme, gehen Sie mit mir einen Kaffee trinken?“

 

Mir blieb die Spucke weg. Innerhalb von 100tel Sekunden kamen dutzend Bilder in meinen Kopf, ob ich ihm jetzt verbal vor die Füße kotzen oder ihn lieber gleich durchs Telefon zerren sollte. Meine Stimme entschied sich, nett und freundlich zu antworten: „Ja natürlich gehe ich mit Ihnen einen Kaffee trinken. Morgen Nachmittag nach der Verhandlung?“

Was glaubt ihr, was ich getan habe?

Die Frage ist leicht zu beantworten: Mein Ziel war klar, die Einstellung für meinen Mandanten. Und solange ich ihn nicht küssen musste und er den Kaffee bezahlt, war es mir völlig egal, ob ich nun eine weitere Stunde mit ihm redete oder nicht. Schließlich wurde ich für das Reden bezahlt. Also auch hier ist mal wieder das Sprechen ein wichtiges Instrumentarium im strafrechtlichen Verfahren. Irgendwann hatte ich meinen Einstellungsbeschluss.

buero_dr_brucker
Keine Langeweile im Büro

Das Fazit für meine Zukunft war damals: Lerne abzuwägen, wie weit Du Dich für Deine Mandanten „prostituierst“ als Anwältin!

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