Opferschutz – Wie Dir Dein Anwalt/Deine Anwältin helfen kann, Genugtuung und inneren Frieden zu bekommen!

vom Deine Meinung?Rubrik: Menschenkenntnis, Opferschutz

Die Strafverteidigung als Verteidiger Deiner Opferrechte!AkteneinsichtEines sollte jeder Mensch, der durch eine Straftat verletzt wurde, dringend wissen:

Das Strafverfahren ist dazu da, um im öffentlichen Interesse herauszufinden, ob jemand eine Straftat begangen hat oder nicht! Damit soll der Rechtsfrieden geschaffen werden.

Für die verletzte Person, die bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung allein als mutmaßliches Opfer bezeichnet werden kann, bedeutet dies – er oder sie stehen mit ihren persönlichen Interessen an zweiter Stelle.

„Solange die Unschuldsvermutung gilt, gibt es nur einen mutmaßlichen Täter und ein mutmaßliches Opfer.“

Dennoch wird dem mutmaßlichen Opfer in einem Strafverfahren eine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Dafür sorgt die EU-Richtlinie und das 3. Opferrechtsreformgesetz.

Du solltest für Dich als verletzte Person klären, welche Interessen Du hast:

  • Geld – das heißt finanziellen Ausgleich für Schaden und Schmerzensgeld
  • Rache – Bedürfnis der Bestrafung des Angeklagten
  • Inneren Frieden – Verarbeitung des psychologischen Traumas

Diese 3 Dinge helfen Dir ein wenig, eine Genugtuung des erlittenen Unrechts zu bekommen. Um Herauszufinden, was Du am meisten brauchst, solltest Du über all die Möglichkeiten mit Deinem Anwalt reden, die das Recht Dir einräumt. Dazu habe ich hier mehr geschrieben.

Viele Opfer, die ich kenne, möchten überhaupt kein Geld von dem Verurteilten annehmen. Sie sagten sehr oft zu mir: „Ich bin froh, dass er nicht weiß, wo ich lebe, seine Strafe absitzen muss. Geld kann ich von diesem Menschen dagegen nicht annehmen.“

Einige Opfer haben ihr gesamtes Schmerzensgeld, was sogar schon mal dreistellige Summen annehmen kann, einer kleinen Organisation, wie zum Beispiel Maneo, gespendet.

Manche mutmaßlichen Opfer ertragen es nicht oder sind psychisch nicht mehr in der Lage, eine Aussage vor einem Gericht und in Anwesenheit des Angeklagten zu machen.

Oft genug habe ich es schon erlebt, wie diese Menschen, wenn sie im Zeugenstuhl saßen, zusammengebrochen sind. Die Verhandlung wird dann unterbrochen und ärztliche Hilfe geholt.

„Ein Opferschutzanwalt kann Dir helfen, eine Hauptverhandlung durchzustehen.“

Andere Opfer sind sogar fähig, außerhalb des gerichtlichen Verfahrens einen sogenannten Täter-Opfer-Ausgleich durchzuführen.

„Der Täter-Opfer-Ausgleich ist ein wichtiges Instrument für die Verteidigung.“

Um was geht es also dem mutmaßlichen Opfer tatsächlich in einem Strafverfahren?

Als Jurist lautet die Antwort, es kommt darauf an…

Aber worauf?

  • Auf die Intensität der Tat
  • Auf die Intimität der Tat
  • Auf die Heftigkeit des traumatischen Erlebnisses
  • Auf die gesellschaftliche Anerkennung von bestimmtem Sexualverhalten
  • Auf die Dauer des Ermittlungs- und Gerichtsverfahrens
  • Auf die Möglichkeit psychologischer Dauerbegleitung
  • Auf den Verlust eines Menschen
  • Auf den Verlust der eigenen Existenz
  • Auf die Reaktion des Angeklagten in der Hauptverhandlung

 

Es gibt bestimmt noch einige andere Dinge, auf die es ankommt. Jedenfalls kannst Du sehen, dass die Frage, worauf es ankommt, nur von jedem Opfer selbst beantwortet werden kann.

„Deine wichtigste Frage bleibt also: Womit bekomme ich tatsächlich inneren Frieden?“

Und dazu braucht ein mutmaßliches Opfer auf jeden Fall die Unterstützung eines Anwalts oder einer Anwältin. Ob diese allein beratend tätig werden oder auch aktiv am Gerichtsverfahren teilnehmen, entscheidet sich letztendlich nach Deinen Bedürfnissen. Allein eine psychologische Traumaunterstützung ist für einen Strafprozess nicht ausreichend!

Was kann nun ein Anwalt oder eine Anwältin für Dich tun?

Dazu gibt es einige sehr unterschiedliche Wege. Du solltest ihn oder sie jedenfalls sehr früh einschalten – am besten kurz nach dem Ereignis.

Möglichkeiten:

  1. Eine zivilrechtliche Klage auf Schadenersatz und Schmerzensgeld
  2. Einen Anschluss als Nebenklagevertretung im Strafverfahren gegen den Angeklagten
  3. Ein Adhäsionsverfahren auf Schadenersatz und Schmerzensgeld
  4. Ein Verfahren nach dem Opferschutzgesetz
  5. Ein Privatklageverfahren
  6. Ein Zeugenbeistand im Strafverfahren
  7. Eine beratende Begleitung im Strafverfahren

 

Das wichtigste Recht, welches Du mit Deinem Rechtsbeistand im Opferschutz durchsetzen kannst, ist die Einsicht in die Ermittlungsakte. Das steht in § 406e StPO.

Erst kürzlich wurde in Hamburg entschieden, wann ein solches Recht versagt werden kann. Es geht dabei vor allem um die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers in Fällen, wo eine Aussage gegen eine andere Aussage steht – also kurzum, meist in Sexualdelikten.

Opferschutzkonferenz in Berlin

Wenn Du Dich aktiv an einem Strafverfahren beteiligst, wie beispielsweise als Nebenkläger, dann agiert Dein Rechtsbeistand im Grunde wie ein zweiter Staatsanwalt – nur eben von Dir beauftragt. Das Kostenrisiko ist meist sehr gering.

Der/die Nebenkläger-Anwalt/Anwältin (Opferschutz – Anwälte) können auch die ganze Zeit im Gerichtssaal bleiben und die Hauptverhandlung verfolgen. Zwar könntest Du als Nebenkläger auch im Gerichtssaal sitzen – neben der Staatsanwaltschaft – allerdings verliert dann Deine Zeugenaussage an ihrer Kraft und Glaubhaftigkeit.

Die besten Nebenklagevertreter und –vertreterinnen sind Strafverteidiger/innen.

Warum, wirst Du Dich jetzt fragen?

Platt ausgedrückt, könnte man sagen: Wer den Feind kennt, weiß am besten mit ihm umzugehen.

Es hat aber noch einen gravierenden Vorteil, den Du nicht unterschätzen solltest:

Die Strafverteidiger/innen sind sehr gut untereinander vernetzt. Sie haben beispielsweise in Berlin ihr eigenes Anwaltszimmer und diskutieren dort sehr viel und gern. Dagegen sind Anwälte und Anwältinnen, die sonst eher im Zivilrecht arbeiten und kaum einen Strafgerichtssaal sehen, meiner Meinung oft darauf aus, sich für ihren Mandanten in die Rolle eines „Racheengels“ zu begeben.

Ein Anwalt als Racheengel tut dem mutmaßlichen Opfer keinen Gefallen im Gerichtssaal!

Fazit: Wenn Dein Nebenklagevertreter die Strafverteidiger kennt, kann er mit ihnen auch sprechen und herausfinden, ob es Wege gibt, Deine Interessen im Opferschutz so durchzusetzen, dass es Dir damit gut geht.

Denn ein Täter-Opfer-Ausgleich kann auch zwischen Anwälten vorab geklärt werden.

So kann Dein Anwalt oder Deine Anwältin klären, ob eine Entschuldigung möglich ist. Du kannst für Dich entscheiden, ob Du beispielsweise einen Entschuldigungsbrief möchtest oder der Angeklagte es Dir persönlich sagen soll.

Die Entschuldigung eines Angeklagten ist oft wichtiger, als Du denkst!

Eine Entschuldigung bringt nicht nur dem Angeklagten Vorteile in seiner Strafzumessung, sie kann auch dem Opfer eine große Last nehmen. Aber es kommt immer darauf an, wie sie erfolgt!

 

Fazit: Dieser kleine Artikel reicht noch lange nicht, um Dir all Deine Rechte und prozessualen Möglichkeiten aufzuzeigen. Er gibt Dir einen ersten Überblick und ich rate Dir – suche Dir dringend einen auf Strafrecht spezialisierten Anwalt bzw. eine Anwältin. Hier findest Du noch einen guten Artikel!

„Ich sage meinen Mandanten immer: Ich bin für Euch der Odysseus, der das Schiff an den Sirenen vorbeischaukelt.“